Der Sieg des Lebens - die Überwindung des Todes
An Karfreitag und Ostersonntag steht die Feier des Abendmahls in besonderer Weise im Mittelpunt. Was bedeutet das für den Glauben?
Der Tod Jesu wird von Paulus im Neuen Testament verstanden als Versöhnungszeichen; es ist kein Akt der Opferung. Wenn wir das Abendmahl in unseren Gottesdiensten feiern, dann geht es genau darum: In Jesus wird uns das Leben geschenkt.
Es ist richtig, in unserer liturgischen Sprache ist auch vom Opfertod Jesu die Rede. Aber dieses „Opfer“ haben die ersten Christen in einem besonderen Kontext verstanden. Paulus bezieht sich in seinen Ausführungen auf das Sühneopferritual im Tempel.
Zugrunde liegt für die jüdische Gemeinde die Erfahrung der gewaltsamen Unterdrückung durch die römische Staatsmacht. Es war nur folgerichtig, wenn im Kontext des Glaubens die Einsicht erfolgte, dass letztlich alle an diesem inhumanen System mitschuldig werden. Denn außerhalb dieses Systems konnte niemand leben. Es bedarf der Sühne, damit ein Neuanfang möglich werden kann.
Paulus setzt auf der Bildebene das Blut Jesu mit dem eines Opfertiers gleich. Im Tempelkult symbolisiert es Leben und Neuanfang. Der Blick richtet sich dabei nicht auf das Sterben, denn im Blut sitzt nach biblischem Verständnis das Leben. Ihm wird sühnende, schützende, reinigende und heiligende Kraft zugeschrieben.
Die Christen haben nun ihre Deutung der Versöhnung entfaltet. Beim Abendmahl wird dem empfangenden Glaubenden in Brot und Wein Gottes heilige Gegenwart geschenkt, die von Schuld befreit, neues Leben schenkt.
Auf dem Weg durch die Passionszeit und in die österliche Zeit mögen Sie Gottes Kraft erfahren – auch bei unseren Abendmahlsfeiern.
Christian Stalter
März 2012